Prognosetreffer leicht gemacht - Tipp 1

Das (Höchst-)Wahrscheinlichste vorhersagen

Diese Methode ist nicht besonders spektakulĂ€r, aber immerhin kann man so ziemlich leicht zu Prognosetreffern kommen. Wenn ich beispielsweise vorhersage, dass die Fussballmannschaft von Bayern MĂŒnchen sich in der nĂ€chste Saison fĂŒr einen internationalen Wettbewerb qualifizieren wird, dĂŒrfte ich wohl kaum daneben liegen (ok - ein kleines Risiko besteht, aber fĂŒr den UI-Cup dĂŒrfte es wohl doch reichen - und falls nicht tut es auch ein internationales Einladungsturnier vor Saisonbeginn...). Nun ja, werden manche nörgeln, das ist ja doch eh klar bzw. das hĂ€tte jeder gekonnt - wenns aber doch gerade so in der Sternen (Astrologie), den Karten (Tarot) oder in der Leber eines Opfertieres (Hepathoskopie) steht - was ist da zu machen? Und wenns eintrifft war es ja wirklich eine richtige Prognose und eine wie auch immer gearteten Prognosemethodik hat - wahrscheinlich wieder einmal - ihre Überlegenheit demonstriert. Das mit dem Treffer stimmt ja auch, aber um zu zeigen, dass ein Prognosemethodik funktioniert, mĂŒsste gezeigt werden, dass diese Methode signifikant mehr Treffer erzeugt, als wenn sich “Otto Normalverbraucher” bei gleichen Themen an Zukunftsprognosen wagt.

Noch leichter wird das ĂŒbrigens in Verbindung mit negativen Formulierungen - also eine Vorhersage, was denn nicht passieren wird. Ein Beispiel ist die Prognose der Seherin Lilo von Kiesewetter in der SAT1 Show des Monats vom 26. April 2003. Auf die Frage nach dem Abschneiden der deutschen Teilnehmerin am europĂ€ischen Schlager Grand Prix (vom 23. Mai 2003) wagte sie die Ă€ußerst schwierige Prognose, die SĂ€ngerin “Lou” (von Siegels Gnaden) “gewinne auf gar keinen Fall” (was ja dann auch eingetreten ist). Bei ĂŒber 20 Teilnehmern sind Prognosen der Art “gewinnt nicht” natĂŒrlich ziemlich sicher ... ... wirklich beeindruckt wĂ€re ich gewesen, wenn Frau von Kiesewetter den erreichten Platz 12 oder den Siegertitel vorausgesehen hĂ€tte.

Auch ich hatte ein paar Tage vor dem Schlager Grand Prix ein paar Ă€hnliche Grand-Prix-Prognosen gewagt, und siehe da - ich hatte auch Recht ... zumindest zu 80% (ich hatte auch fĂŒr die TĂŒrkei keinen Sieg vorausgesehen - aber bei so einem knappen Ausgang kann man ja mal daneben liegen - und ausserdem hatte ich die in diesem Fall angewandte Prognosetechnik noch nicht perfektioniert bzw. wurde bei deren Anwendung gestört*).

* Ausreden dieser Art sind natĂŒrlich auch bei den “echten Profis” zu finden! So wird zum Beispiel die Astrologin Patricia “Ich habe noch nie daneben gelegen” Schwennold, auf eine Reihe von Fehlprognosen angesprochen, wie folgt zitiert: “sie habe fehlerhafte Daten erhalten, und außerdem habe ihr bei manchen Prognosen noch die nötige Routine gefehlt. Damals habe sie nur „große Thematik” gesehen. Nun habe sie ihr Wissen vervollstĂ€ndigt und ihre Methodik verfeinert.” Quelle: Landshuter Wochenblatt, 4.9.2002.

© Michael Kunkel, April 2003 - September 2008

letzter Update: Mittwoch, 26. November 2008